Geschichte Döneken

[Harzkäse]
[Das Wappen]
[Übersicht]
[Vorgeschichtliche Funde]
[Ein Blick durch das Kaleidoskop]
[Aus alten Urkunden]
[Kurzer einfeltiger nothwendiger Bericht]
[Der Harzer hat das Käsebacken überdauert]
[Rundgang durch das alte Dorf]
[Entwicklung der Landwirtschaft]
[Der grosse Hof]
[Die Flurnamen]
[Geschichten aus dem Knauf]
[Doch einen Bahnhof wollten sie nicht]
[Warum Immenrode keine Badeanstalt bekam]
[1000 Jahre dazwischen]
[Als der Krieg zu Ende war]
[Doeneken]
[Unser Okerstand]
[Viele Bruennlein fliessen]
[Wieder Chancen für die Weddekrebse]
[Das Ende 886 Jahre nach der ersten Währung]
[Einigkeit macht stark]
[Wer will fleißige Handwerker sehn]
[Hol mir mal die Suelzepresse]
[Über 100 Jahre Schützentradition]
[Brieftaubensportverein ‚Harzbote-Immenrode‘]


[Das Wappen]
[Übersicht]
[Vorgeschichtliche Funde]
[Ein Blick durch das Kaleidoskop]
[Aus alten Urkunden]
[Kurzer einfeltiger nothwendiger Bericht]
[Der Harzer hat das Käsebacken überdauert]
[Rundgang durch das alte Dorf]
[Entwicklung der Landwirtschaft]
[Der grosse Hof]
[Die Flurnamen]
[Geschichten aus dem Knauf]
[Doch einen Bahnhof wollten sie nicht]
[Warum Immenrode keine Badeanstalt bekam]
[1000 Jahre dazwischen]
[Als der Krieg zu Ende war]
[Doeneken]
[Unser Okerstand]
[Viele Bruennlein fliessen]
[Wieder Chancen für die Weddekrebse]
[Das Ende 886 Jahre nach der ersten Währung]
[Einigkeit macht stark]
[Wer will fleißige Handwerker sehn]
[Hol mir mal die Suelzepresse]
[Über 100 Jahre Schützentradition]
[Brieftaubensportverein ‚Harzbote-Immenrode‘]


(Paul-Otto Gutermann)

»Nich for öbbel nehmen.. .« Läutemeister August Mielke
Über 50 Jahre lang war er nicht wegzudenken aus dem Dorfbild, unser Läutemeister August Mielke – oder einfach »Onkel August«, wie ihn viele Immenröder nannten. Und die ihn kannten, erinnern sich noch, wie er im Vorraum »seiner« Kirche stand, um alle Gottesdienstbesucher mit Handschlag zu begrüßen. Dann ging er mit schwerem Schritt auf das Schaltbrett zu, um mit gewichtiger Armbewegung das Läutwerk an- oder abzustellen. Es waren ja seine Glocken, die da läuteten. Wie viel hundertmal mag er in den über 50 Jahren seines Amtes den Kirchturm bestiegen haben, um der Gemeinde Freude oder Leid, Hochzeit oder Tod zu verkünden. Und wie hat er gebangt bei der Einrichtung des elektrischen Läutewerks, dass er nun sein Amt, seinen Lebensinhalt, verlieren und überflüssig werden würde. Nun, an das Schaltbrett hat er sich gewöhnt, und es erfüllte ihn mit Stolz, dass eine Handbewegung von ihm die Glocken zum Schwingen und Tönen brachte. Eifersüchtig wachte er darüber, dass kein anderer seinem Amtsbereich zu nahe kam.
Am ersten Sonntag, den er im Krankenhaus zubringen musste, war dies seine Hauptsorge: »Wer hat elütt jistern un hiete?« Und als er härte, dass niemand den Sonntag eingeläutet hatte, wurden seine Augen feucht: »Ick immer da ewest, immer!« Und dann begann er, Grüße zu bestellen, allen Immenrödern, die ihm ein Stück Zuhause gegeben hatten:
»Hilde König grüßen. .. Heinrich Wolf grüßen. .. Hermann von Hof grüßen. . Und er war darauf bedacht, keinen zu vergessen. So wie er seine toten Freunde nicht vergaß. Seine Trauer um Bekannte war aufrichtig und tief: »Hermann Röttcher dote«, »Alfred Diedrichs dote«, »Lene Wesche dote« und er ehrte sie auf seine Weise durch ein Totenschauer, das manchmal eine halbe Stunde dauerte.
Beim letzten Besuch am Krankenbett kurz vor seinem Tode grüßte er diese längst Verstorbenen: »Ollen Ehlers grüßen. .. Otto Binder grüßen. .. aber nich for öbbel nehmen. .. « Und er schaute mit weit aufgerissenen Augen in die Weihnachtskerze, die neben seinem Bett brannte. Vielleicht sah er sie alle vor sich, seine alten Freunde, die Lebenden und die Toten.
»Nich for öbbel nehmen. .. « Er ist friedlich gestorben, unser Onkel August. Die Menschen in unserem Dorf haben ihm nichts übel genommen. Sie ließen ihn gelten, und seine kleinen Ämter hatten für ihn die gleiche Wichtigkeit wie jedem von uns der Beruf, und er erfüllte sie mit ganzer Treue. In vielen kleinen Geschichten und Begebenheiten wird er weiterleben, und seine stete Redewendung werden wir im Ohr behalten: Nich for öbbel nehmen. . .

Das schöne Wort aus der Heiligen Schrift
Im Jahre 1957 verstarb 83-jährig Karl Schrader, eingesessener Immenröder und somit Mitglied aller dörflichen Vereine. Die älteren Einwohner werden sich noch an ihn erinnern: Nicht lange vor seinem
Tode war er noch Schützenkönig geworden. Entsprechend groß war auch das Gefolge bei der Beerdigung. Die Vereinsvorsitzenden schritten zum Grabe. .. Fahnen wurden geschwenkt… ehrende Nachrufe gehalten, und als letzter trat auch Hermann Röttger nach vorn, seines Zeichens Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins. Und Hermann Röttger sprach also: »Lieber Freund Karl! Da ruhest Du nun. Möge Dir die deutsche Heimaterde leicht werden Und so grüßen wir Dich mit dem schönen Wort aus der Heiligen Schrift: Lasst Blumen sprechen…“

Lüttje – Martin
Heutzutage werden die Vikare, nachdem sie das 2. theologische Examen bestanden haben, in den Braunschweiger Dom bestellt, um dort vom Landesbischof zum Pfarrer ordiniert zu werden. Früher war das anders: Da kam der Bischof in die Gemeinde des Vikars, um ihn an der Stätte seines ersten Wirkens zu ordinieren So geschah es auch im Juni 1956 in Immenrode. Zur Ordination des Vikars Tobias Capelle hatte Landesbischof Martin Erdmann seinen Besuch angekündigt. Zu dieser Zeit lebte hier Frau Selma Kunze, irgendwie in der Nachkriegszeit nach Immenrode verschlagen. Sie stammte aus einem Dörfchen am Elm, wo der Vater des Bischofs Pfarrer gewesen war. Selma hatte als junges Mädchen »im Pfarrhaus gedient“. Als sich der bevorstehende Besuch des Bischofs herumgesprochen hatte, verkündete Frau Selma überall:
»Den kenn egk! Den hewe egk schon op’n Schot hat un op’n Arm edrahn un hewe in’n Kinnerwage spazeiern gefahren.« Der große Tag war gekommen, ein schöner Sommerabend. Kirchenvorstand und Gemeinde hatten sich auf dem Dorfplatz versammelt, um den hohen Herrn würdig zu empfangen. Ein feierlicher Einzug in die Kirche war geplant.
Pünktlich rollte der schwarze Bischofs-Mercedes den Kirchteich herab und hielt mitten auf dem Dorfplatz. Der Fahrer umkreiste den Wagen, riss die Tür auf, der Bischof stieg aus. .. und jetzt nahte Frau Selmas großer Auftritt. Noch ehe der Bischof den Lutherrock geradeziehen und das Bischofskreuz zurechtrücken konnte, hatte Frau Selma ihn schon an beiden Händen gepackt und rief laut und vernehmlich: »Nä, Lüttje-Martin, wat ut degk ewordn iss I«

Das seltsame Rezept
Schon immer hatte der Singkreis bei seiner Weihnachtsmusik auswärtige Solisten zu Gast In den 50-er Jahren war dies die Sopranistin Elisabeth Schlemmermeier.
Aus dem „Schemelli-Gesangbuch« von Joh. Seb. Bach wollte sie einige Weihnachtslieder für Sopran und Orgel singen Bei der Chorprobe lag uns nur die »Ausgabe für tiefe Stimmen« vor, so dass ständig transponiert werden musste Beim Abschied bat die Sopranistin den Chorleiter »Bitte besorgen Sie mir doch Schemelli für hohe Stimmen!«
Unser Stimmführer im Tenor, der leider so früh verstorbene Ernst Bühmann, spitzte die Ohren Schemelli für hohe Stimmen? Das musste ein Mittel sein, mit dessen Hilfe der Tenor womöglich mühelos das hohe C erreichen konnte…!« Bei der nächsten Chorprobe entrüstete sich »Onkel Ernst«, wie er von den jüngeren Sängern genannt wurde:
»Sagen Sie mal, was war das für ein Mittel, das Sie der Sopranistin besorgen sollten? Ich bin in allen Goslarer Apotheken gewesen, und keine hatte Schemelli für hohe Stimmen.“ Eine Verkäufern hat sogar in einem dicken Arzneikatalog nachgeschlagen und behauptet: Schemelli gibt es nicht. . .

Das Gottesgeschenk
Religionsunterricht im ersten Schuljahr kurz vor dem Erntedankfest. Die Kinder trugen zusammen, wofür wir Gott danken sollen Essen. Trinken . Kleidung.. Spielzeug. Goldhamster Katze.. Plötzlich sprang Renate Diedrichs auf und meldete sich stürmisch, beide Arme schwenkend »Mein Vater, mein Vater!« Verblüfft über diesen Vorschlag meinte der Lehrer »Aber ja, Renate, für Deinen Vater müssen wir auch Gott danken« Da aber empörte sich Renate »Nää,« rief sie, »der fährt doch gerade mit’m Bulldog vorbei I«

Alles hat seine Grenzen…
(in memoriam Kirchenrat Arthur Ehrhorn)
Unvergessen in den Gemeinden rings um Vienenburg ist der Kirchenrat Arthur Ehrhorn, der hier viele Jahre gewirkt hat und wegen seiner aufrechten Haltung und seiner gütigen, ebenso verständnis- wie humorvollen Art bei Alt und Jung beliebt war.
Einmal traf er auf der Straße Frau B, eine treue Kirchgängerin, die nun aber mehrere Wochen nicht im Gottesdienst gewesen war Sie meinte, sich entschuldigen zu müssen und fing an zu stottern:
»Ich war. . ich hatte.. ich war in diesen Wochen.. « Aber da unterbrach sie der Kirchenrat »Reden Sie nicht weiter, meine Liebe I Sie brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben. Wissen Sie, ich könnte mich auch nicht jeden Sonntag predigen hören!« Zu den Eigenheiten des Kirchenrates Ehrhorn gehörte es auch, dass er selbst im hohen Alter noch beim Predigen die Zeit vergaß, um der Gemeinde noch mehr mit auf den Weg zu geben. So geschah es auch bei einem Pfingstgottesdienst in Immenrode:
40 Minuten. .. 45 Minuten und immer noch kein »Amen«. Die Hausfrauen wurden unruhig, sie dachten wohl an ihren Pfingstbraten. Nach dem Gottesdienst empfing der Kirchenrat den Organisten in der Sakristei: »Da habe ich wieder mal kein Ende gefunden und länger als ’ne Dreiviertelstunde gepredigt. Und dabei lernt schon jeder Theologiestudent: Du darfst über alles predigen, nur nicht über 20 Minuten! Aber Du hast Schuld; warum hast Du so was zugelassen?«
Der Organist: »Was hätte ich denn machen sollen?« Der Kirchenrat: »Einfach nach 20 Minuten mit vollem Werk ein paar Akkorde anschlagen!« Der Organist: »Und was hätte die Gemeinde gesagt?« Der Kirchenrat: »Die hätte geglaubt, jetzt sei wirklich das Brausen des Heiligen Geistes vom Himmel gefahren. «

Immer war sie für alle da…
Dank an Hildegard König
Wir Menschen verdrängen gern, was uns unangenehm ist und Unbehagen bereitet. Zu den Themen, die wir am liebsten nicht mehr anrühren und zum »tabu« erklären, gehört auch der Selbstmord eines Menschen. Packte uns nicht lähmendes Entsetzen, als wir am 21.11.1975 an der Tür der Poststelle lasen: »Wegen Todesfall geschlossen I« Und die Todesursache erfuhren: Hilde König hatte ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt. Für alle Immenröder war das kaum vorstellbar. Es war ja noch gar nicht lange hergewesen, das sie ihrer Pflegetochter eine strahlende Hochzeit ausgerichtet hatte. Wir sehen sie noch vor uns, wie sie in weißer Bluse und langem schwarzen Rock von Tisch zu Tisch ging, die zahlreichen Gäste begrüßte und sich erkundigte, ob sich alle auch wohlfühlten.
Die Immenröder Poststelle hatten schon ihre Eltern inne, und wenn ihr Vater während des Krieges wieder los musste, um die Todesnachricht in die Häuser zu tragen, war sie jedes mal mit betroffen. Sie wusste, was es heißt, den liebsten Menschen zu verlieren, und darum hatte sie so viel Verständnis für das Leid anderer Menschen. Nach dem Tode der Eltern wurde die Poststelle mehr und mehr »Abladestelle« für die Sorgen und Kümmernisse vieler Bewohner. Und Hilde König hörte zu, geduldig., anteilnehmend, ratend… Und wo sie selbst nicht helfen konnte, trug sie den Hilferuf weiter, in den Kirchenvorstand zum Beispiel, dem sie seit 1966 bis zu ihrem Tode angehörte. Dienststunden gab es für sie wohl nur auf dem Papier. Wer bei Hilde König anklopfte, dem wurde Einlass gewährt.
Der Entschluss zum Freitod muss in ihr lange gereift sein; gesprochen hat sie mit niemandem darüber. Ober sich selber zu sprechen, über ihre Kümmernisse und Ängste, das konnte sie wohl nicht. Und wir Immenröder hatten uns daran gewöhnt, dass sie immer für alle da war.
Viele Menschen unseres Dorfes werden sie nicht vergessen und mit Dank an sie denken. Wir sollten aber auch bedenken, dass menschliches Zusammenleben aus Geben und Nehmen besteht. Muss ein Mensch immer nur geben, ist das Gleichgewicht gestört, und das kann kaum jemand verkraften.

Unser Dorf hat ihm viel zu verdanken. . .
Erinnerungen an Gustav Impe
So kannten ihn die Immenröder, und so haben sie ihn in Erinnerung behalten: Wie er nachmittags gravitätischen Schrittes, den unvermeidlichen Spazierstock schwenkend und leutselig nach allen Seiten grüßend, den Kirchteich herunterkam, vor dem Denkmal eine Weile verharrte und dann weiter dem Gemeindebüro zustrebte. Vor oder nach seinem Besuch auf der Dienststelle – das hing von der Jahreszeit ab – traf man ihn dann irgendwo im Dorfe: dort, wo Max Lopatar und Waldemar Hoffmann, die beiden Gemeindearbeiter, irgend einen Schaden reparierten oder auf einer der zahlreichen Baustellen, die er mit der ihm eigenen Beharrlichkeit im Gemeinderat durchgesetzt und in Gang gebracht hatte: Dorfbeleuchtung … Feuerwehrgerätehaus…
Wasserleitung.. .Straßenbau.. .Siedlungshäuser…Behelfsbauten für die Schule…Schulneubau…
26 Jahre lang, von 1946 bis 1972, gehörte er dem Gemeinderat an, 24 Jahre war er Immenrodes Bürgermeister und 20 Jahre lang vertrat er die Interessen unseres Dorfes im Kreistag. Parteifreunde wie politische Gegner nannten ihn einen »alten Fuchs« oder »Schlitzohr« und bezeugten dadurch viel Respekt vor seinem Verhandlungsgeschick. So war es kein Wunder, dass er bei allen Kommunalwahlen mehr Stimmen einheimste als alle anderen Kandidaten zusammen und dass seine Wahl zum Bürgermeister stets einstimmig erfolgte. Gustav Impe war Immenröder Kind, Arbeitersohn, und hat den Einsatz für die politische Linke von seinem Vater übernommen. Schon 1920 trat er als Fünfzehnjähriger der sozialistischen Arbeiterjugend bei und wirkte bis 1932 im SPD-Ortsverein, dem damals jeder zehnte Immenröder angehörte. Ober das, was ihm während der Nazizeit widerfahren war, machte er keine großen Worte. Nur beiläufig erzählte er von eingeworfenen Fensterscheiben und von insgesamt 18 Hausdurchsuchungen…
Gleich nach seiner Heimkehr aus Gefangenschaft rief er wieder den SPD-Ortsverein ins Leben, und im gleichen Jahr begann auch sein kommunales Wirken, dem er sich mit Haut und Haaren verschrieb.
Als alter, aufrechter Sozialdemokrat hatte er auch von den politischen Vätern seine distanzierte Haltung zur Kirche übernommen (an dem schlechten Verhältnis zur Sozialdemokratie war die Kirche seit der Kaiserzeit weiß Gott nicht unschuldig). Hinzu kam, dass mit W. Schröder-Pander in den Nachkriegsjahren in Immenrode ein Pastor wirkte, dem manches andere, nur kein glücklicher Ton im Umgang mit Menschen und kein Verhandlungsgeschick zu eigen waren. So ist es nur zu verständlich, dass Gustav Impe – der kirchlichen Insidersprache unkundig – schon mal Titel und Institutionen verwechselte. Als ihm der Vikar Tobias Capelle zu einem familiären Ereignis gratulierte, begrüßte ihn Impe mit den Worten: »Welche Freude! Da kommt ja auch unser Vatikan !« Wenig später wurde T. Capelle zum Pfarrer ordiniert, und aus diesem Anlass war der Gemeinderat zu einem Umtrunk geladen. Und was nun folgte, war typisch dafür, wie souverän der Bürgermeister auch prekäre Situationen meisterte. Inzwischen musste ihm jemand zugesteckt haben, was es mit den beiden Wörtern mit »V…« auf sich hat, denn G. Impe gratulierte mit den Worten: »Und das Schönste ist ja wohl, dass wir nun »Herr Pastor« sagen können!«
Bürgermeister Gustav Impe und Gemeindedirektor Adolf Jerxsen, das war ein gutes Gespann, so unterschiedlich auch beider Wesen war. Die Gemeinderatsprotokolle von 1946 bis 1972 geben beredtes Zeugnis, wie kontinuierlich ein kommunales Projekt nach dem anderen in Angriff genommen und in die Tat umgesetzt wurde.
Gustav Impe und Adolf Jerxsen schieden aus der Kommunalpolitik, als Immenrode 1972 der Stadt Vienenburg eingegliedert wurde. Der Wunsch der verbleibenden Ortsräte, der Altbürgermeister möge noch recht lange als ihr erfahrener Ratgeber wirken, ging nicht in Erfüllung. Gustav Impe verstarb vier Jahre später. Viele Ehrungen hat er erfahren. Am meisten werden ihn die von Willi Brandt unterschriebene Urkunde für 50-jähriges Wirken in der SPD sowie die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland gefreut haben. Eine Ehrung durch die Immenröder, damit ihr tüchtiger Nachkriegsbürgermeister nicht in Vergessenheit gerät, steht eigentlich noch aus… Mit der »Crusius-Straße« ist der Anfang gemacht worden, nach einem verdienten Immenröder eine Straße zu benennen.
Und da fällt mir etwas ein: Als ich 1952 als junger Lehrer nach Immenrode versetzt wurde, wollte ich mich, wie sich das so gehört, beim Bürgermeister und beim Gemeindedirektor vorstellen. Also erkundigte ich mich nach deren Wohnungen. Ein Einheimischer wies mich zur »GustavAdolf-Allee«. »Gustav-Adolf-Allee«? – »Ja, Gustav Impe und Adolf Jerxsen, beide wohnen in der gleichen Straße.« (Straße am Hainberg). Aber wenn man schon so etwas plant, dann sollte man doch lieber »Adolf-Gustav-Straße« sagen; damit jedermann weiß, dass nicht der Schwedenkönig gemeint ist, sondern dass es sich um diese beiden Kommunalpolitiker handelt, denen unser Dorf viel zu verdanken hat.

Kartenspielen in der Deutschen Eiche
Schon vor dem 2. Weltkrieg wurde in der Gastwirtschaft »Deutsche Eiche« an jedem Sonn- und Feiertag jeweils von 14.30 bis 18.30 Uhr an fünf Tischen mit je vier bis sechs Mann Karten gespielt, und zwar Schafskopf, Skat und Doppelkopf. Diese alte Tradition wurde während des Krieges unterbrochen und lebte unmittelbar nach dem Kriege wieder auf. In den 60er Jahren, nach dem Ableben der »alten Kartenspielgarde«, ließ das Kartenspielen mächtig nach und hörte Ende der 60er Jahre fast völlig auf. Heute lebt diese alte Tradition teilweise wieder auf. So führt zum Beispiel der TSV Immenrode seit 15 Jahren regelmäßig einen Skatabend durch, die örtlichen Vereinswirte veranstalten »Preisskate« und in den Gaststätten wird am Abend hin und wieder schon wieder einmal Skat gespielt.
N. S.: Wie E. und R. Diedrichs weiter berichten, war es immer ein Schauspiel, wenn einmal ein Pfennig herunterrollte. Dann wurden Tische, Stühle und Sofas gerückt, bis der Pfennig gefunden wurde.